Ratet mal was! (guess what)

Sorry, people, this one is in German. Mainly because I’ve started translating “Shapeshifter” into my mother tongue, weeeee! This is also the topic of this post, so you’re not missing out on anything.

Onwards!

Meine Lieben!
Was lange währt, wird endlich gut. Nach mehreren Tritten ins Heck durch Freunde, Bekannte und andere Erpresser habe ich mich endlich dazu durchgerungen, meine Erstlingswerke auch in Deutsch zu übersetzen. Es ist ja doch praktisch, wenn man die schwierigere Arbeit (das Schreiben) zuerst in einer Fremdsprache erledigt, denn dann geht auch die Übersetzung leichter von der Hand. Unter der Prämisse “haha, ist sicher weniger Arbeit” habe ich nun auch mit der Übersetzung von “Shapeshifter” (auf Deutsch und dank Roger genüsslich “Der Wandler” genannt) begonnen, und damit ihr ein erstes Bild davon bekommt, wie das dann später aussehen wird, folgt hier der Aufhänger, die erste Szene aus dem Buch.
Wer meine Englische Version kennt, wird recht rasch feststellen, dass die Übersetzung doch deutlich anders ist. Wer andere Übersetzungen kennt, weiß, dass es in diesem Fall allerdings mehr Gewinn als Verlust ist, denn so geht nichts von der eigentlichen Bedeutung verloren.
Wie dem auch sei! Ich bin (bisher) begeistert von dem Ergebnis und hoffe einfach darauf, dass es euch auch so sehr gefällt wie mir.

Los gehts!

Der Zusammenstoß (Part 1)

Kein Taxi, keine verlässliche Straßenbeleuchtung, kein GPS. Der Abend hatte eigentlich vielversprechend begonnen, nur um stehenden Fußes in den Sturzflug überzugehen. Ich seufzte in die kühle Frühlingsnacht und schob mein Smartphone tiefer in die Manteltasche, still darum betend, dass es dieses Mal nicht gestohlen werden würde. Es war eine dieser kalten, windigen Nächte, an denen mich die Unruhe aus meiner sicheren Wohnung und hinaus in die dreckigen Ghettoviertel der Stadt trieb, fort, nur fort von den sauberen, scharfkantigen Straßen des Stadtzentrums und hinab in den Abyss der ärmsten Einwohner. Schierer Trieb reichte allerdings nicht als vernünftige Begründung für meinen haarsträubend riskanten Ausflug aus. Wie gut, dass ich aus Prinzip unvernünftig war.

Babylons Ghetto und seine drei großen Viertel – der östliche Irendistrikt, das westlich liegende Italienerviertel und die südliche Industriezone – hatten immer schon eine verruchte Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Nicht dass viele Menschen meine Meinung teilten, oh nein. Die Meisten wären wohl eher tot umgefallen als sich dort lebend aufgreifen zu lassen.
Ich sah die Angelegenheit mit dem ruinierten Ruf nicht so eng. Was war das Leben schon wert, wenn man es nicht auskostete und sich ab und an in Gefahr begab? Selbst ich trieb es allerdings nicht zu weit und blieb den wirklich gefährlichen südlichen Industriezonen fern. Der Irendistrikt – mein Favorit unter den heruntergekommenen Armutsvierteln – war vergleichsweise ungefährlich, gespickt mit einer Vielzahl von Nachtclubs, Diskos und Bars, und ganz gemäß dem Klischee zum Irengemüt entsprechend stets laut, ausgelassen und unterhaltsam. Besonders die Grenzen zu den etwas gehobeneren Vierteln waren gespickt mit allem, was ein junges Herz begehren konnte, und das zu einem kleinen Preis.

Das ›Philtre‹, einer dieser Nachtclubs in Randnähe, war der Grund für meinen nächtlichen Ausflug, auch wenn ich meinen Plan nicht ganz durchdacht hatte. Mein violetter Schlangenledermantel würde mich ebenso aus der Masse an Punks und Goths am Eingang herausstehen lassen, wie meine anthrazitgrauen, hautengen Versace-Lederhosen und mein sorgsam aufgemachter Seitenscheitel. Wenn die Ghettobewohner etwas hassten, dann waren es die ›reichen Bastarde aus dem Stadtzentrum‹, oder kurz gesagt: Leute wie mich.

Ich hielt etwas Distanz zum Eingang und kaute auf meiner Unterlippe, während ich die Türsteher und die drängelnde Masse an Partyfreudigen beobachtete. Warum war ich hier, warum in dieser Aufmachung? War es um das Glück herauszufordern, oder hatte mein Todeswunsch endlich die Überhand über meine Vernunft gewonnen? Einmal Selbstmord durch Dritte als Geburtstagsgeschenk an mich selbst?
Gut möglich.
Irrelevant.

Mit einem Ruck setzte ich mich wieder in Bewegung, die Nasenflügel blähend um besser Witterung aufnehmen zu können, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben um sowohl mein Portemonnaie als auch mein Smartphone vor Taschendieben zu beschützen. Die meisten Mitglieder dieser Kaste hielten mich für ein leichtes Opfer, schmal und langgliedrig wie ich war. Auf den ersten Blick mehr Jugendlicher als junger Erwachsener und eindeutig nicht die Mühe einer Prügelei wert. Auf den zweiten Blick ein volljähriger, schlaksiger Freak, dessen Gesicht den gängigen Reaktionen nach zu urteilen um Schläge bettelte. Ich hatte beide Varianten gehörig satt.

Ein Knäuel von Gästen füllte den Eingangsbereich des Clubs mit Tabakrauch und halblautem Geschnatter, allerdings hatte sich noch keine Warteschlange gebildet. Gut für mich, denn Warten verlockte das Schicksal dazu, Ärger auf Besuch zu schicken.

Weniger vielversprechend war der Blick des Türstehers. Der spezifische Ausdruck auf seinem Gesicht begegnete mir häufig, eine Mischung aus ›du siehst zu jung aus‹ und ›du siehst zu seltsam aus‹, die üblicherweise mit einer gestreckten Hand und einem verstellten Eingang endete. Ich fummelte meinen Ausweis aus dem Mantel, noch bevor er danach fragen konnte, und hielt ihn gut lesbar hoch. Hinter dem fleischigen Kerl baumelte ein mitgenommenes Plakat mit dem Logo einer Band namens ›Zornhammer‹ an der Wand, und während er meinen Ausweis inspizierte, als hinge sein Job daran mich als Betrüger zu entlarven, reckte ich den Kopf um das Bandposter genauer zu betrachten. Hässlich und zornig, ganz wie man es sich von dieser Form der Musik erwartete. Dem kreischenden, jaulenden Lärm aus dem Inneren des Clubs nach passte der Bandname wie die Faust aufs Auge. Selbst der Filzvorhang hatte den Kampf gegen die Tirade aufgegeben und entließ die schrillen Gitarrenriffs fast ungedämpft auf die Straße.

Eine gefühlte Ewigkeit später winkte der Türsteher mich hinein und ich folgte der stummen Aufforderung eilig, bevor er es sich anders überlegen konnte.

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